Licht | Blicke

Kunstworkshop mit Flüchtlingen und deutschen Schülern in Bonn

Jedes Jahr erreichen viele Tausende Flüchtlinge Deutschland. Ihr zu Hause haben sie hinter sich gelassen und ihre Reise war lebensgefährlich. Was können wir tun, um ihnen den Einstieg in unserem Land zu ermöglichen? Ihnen helfen, Freunde zu finden. Freunde, mit denen sie Interessen teilen und gemeinsame Erfahrungen erleben können. Das Team „Licht | Blicke“ hat sich dazu entschlossen, einen Kunstworkshop zu organisieren, bei dem Flüchtlinge für einen Tag mit deutschen Schülern zusammen kommen. Durch die gemeinsame Beschäftigung mit einem Thema konnten interessante Bekanntschaften und neue Freundschaften entstehen.

Spiele, Kunst und Unterhaltung

Am 9. Mai 2015 trafen wir uns morgens an der Otto-Kühne-Schule in Bad Godesberg mit ca. zehn deutschen Schülern und zehn Flüchtlingen gleichen Alters (15–20 Jahre). Die Flüchtlinge kamen hauptsächlich aus arabischen Ländern, aber auch aus dem Senegal und aus Pakistan.

Die Jugendlichen sprachen alle mehr oder weniger gut Deutsch oder Englisch. Zu Beginn erhielt jeder ein weißes T-Shirt. Die Jugendlichen schrieben sich gegenseitig in sämtlichen „anwesenden“ Sprachen die Namen auf die T-Shirts. Daraufhin spielten wir auf dem Schulhof Kennlernspiele, wobei die Schüler sowie die Flüchtlinge die Namen lernten und sowohl über Bewegung als auch über humorvolle Wettbewerbe einander näher kamen. Beispiele für das Programm sind „Ninja“, Tauziehen, Fußball, „Einen hohen Turm aus Spaghetti basteln“ und viele weitere Spiele. Dabei kamen auch von den Schülern Wünsche und Vorschläge, die wir berücksichtigten. Dadurch konnte die Gruppe zusammenwachsen und gewann viel eigene Energie.

LichtBlicke

Mittags begannen wir mit der künstlerischen Arbeit. Der Kunstlehrer Kilian Siefart führte alle Teilnehmer in den Kunstraum. Die Teilnehmer saßen einander gegenüber, wobei jeweils ein Flüchtling immer einem deutschen Schüler gegenübersaß. Die Jugendlichen legten sich eine Unterlage mit einem weißen Papier auf den Kopf. So versuchten sie, sich gegenseitig zu malen. Die Resultate brachten alle zum Lachen. Anschließend porträtierten sie sich noch einmal gegenseitig, diesmal allerdings mit dem Papier vor sich auf dem Tisch. Kilian Siefart beobachtete die Arbeit und gab Hinweise und Tipps. Einige der Resultate wurden auf die Tafel übertragen.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde das Programm nachmittags flexibler. Eine große Gruppe malte zusammen an einem gemeinsamen Bild, andere setzten sich an ruhige Orte und malten oder zeichneten. Andere wiederum unterhielten sich länger. Die Stimmung war sehr positiv und Freundschaften formten sich. Zwischendurch spielten wir mit den Jugendlichen immer wieder Spiele. Am späten Nachmittag gab es zum Ausklang noch einmal Snacks. Bis in den Abend saßen wir mit den letzten Teilnehmern und einigen Besuchern des TK auf dem Schulhof.

Spannende Begegnungen

Die Flüchtlinge und Schüler waren unglaublich interessiert aneinander und hatten ab der ersten Minute großen Spaß miteinander. Vor allem das gemeinsame Arbeiten an der Kunst machte ein rasches Gemeinschaftsgefühl möglich. Viele ließen gar nicht mehr voneinander los. Für die Flüchtlinge war das eine besondere Erfahrung – eine Syrerin erzählte beispielsweise, sie habe seit ihrer Ankunft in Deutschland vor sechs Monaten noch nicht einmal etwas mit Gleichaltrigen unternehmen können. Die deutschen Schüler waren sehr freundlich, offen und gingen auf die Flüchtlinge zu. Die meisten von ihnen hatten auch noch nie direkt etwas mit Flüchtlingen zu tun. Von ihrer positiven Erfahrung können sie nun weitererzählen. So entsteht hoffentlich bereits bei vielen Schülern eine Offenheit statt Angst oder Skepsis gegenüber Flüchtlingen. Die Schüler der Otto-Kühne-Schule wollen das Projekt mit unserer Unterstützung fortführen und weitere Treffen mit den Flüchtlingen aus ihrer Umgebung planen. Wenn echte Freundschaften daraus entstehen können, ist ein weiterer kleiner aber wichtiger Schritt zur Integration von Flüchtlingen in unserem Land gelungen.

Wir bedanken uns herzlich bei der „Europawoche“, der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westphalen und bei der Otto-Kühne-Schule Bad Godesberg, insbesondere bei Herrn Willi Mirgartz (Direktor) und unserem künstlerischen Leiter Kilian Siefart (Kunstlehrer), für die großzügige Unterstützung.

Weiterführung der Projektidee

Nach den Sommerferien der deutschen Schüler, werden wir gemeinsam mit ihnen und Flüchtlingen grillen um die Kontakte aufzufrischen. Einige der deutschen Schüler haben Interesse daran geäußert, solche Begegnungen in Zukunft selbst weiter zu organisieren. Nun wollen wir mit den Schülern eine Projektgruppe gründen, die wir bei ihren ersten Aktivitäten unterstützen können und die dann immer selbstständiger wird. Somit erhoffen wir uns, die Integration wenigstens einer handvoll Flüchtlinge zu fördern.

In dem Projekt engagierten sich unter anderem Franziska von Campenhausen, Timothy Carter, Leon Freytag von Loringhoven, Charlotte von Strei und Felix Thives-Kurenbach.