Regionalgruppentreffen Berlin Jul 2016

Bericht zur Führung durch die Sammlung Arthur de Ganay

An einem sonnigen Samstagnachmittag im Juli 2016 hatten 19 kunstinteressierte Mitglieder des Tönissteiner Kreis und des Studentenforums die einmalige Gelegenheit, vom französischen Architekten und Kunstsammler Arthur de Ganay durch seine Kunstsammlung geführt zu werden.
In einem großzügigen Loft in einer alten Marmeladenfabrik in Berlin Kreuzberg beherbergt Arthur de Ganay in einem „privaten Museum“ 18 großflächige Werke der Landschafts- und Architekturfotografie. Vertreten waren unter anderen hochauflösende Aufnahmen des Mars von Thomas Ruff, ein Werk aus der „Seascape-Serie“ von Hiroshi Sugimoto und zwei Fotografien der Opéra Garnier von Candida Höfer.


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Die einzelnen Kunstwerke präsentierte Arthur de Ganay sehr bedächtig und erklärte Thematik, Kontext und Technik. Zu nahezu allen Werken reichte er zudem einen Bildband mit weiteren Erläuterungen oder anderen Werken des Künstlers. So war es möglich, jede Fotografie vor dem Hintergrund ihrer Entstehungsgeschichte oder weiteren Werken einer Serie zu interpretieren. 

Persönlich überrascht war ich von Arthur de Ganays Sammlungskonzept: Sein Augenmerk gilt nicht allein den Kunstwerken, sondern besonders ihrer Inszenierung. Laut Arthur de Ganay hört ein „im Keller abgestelltes Kunstwerk“ auf zu existieren – erst die Inszenierung macht das Kunstwerk zu dem, was es ist. Zwar hängen bei Arthur de Ganay die Fotografien dicht an dicht. Allerdings gelingt es Arthur de Ganay die einzelnen Kunstwerke durch optimale Lichtverhältnisse und den passenden Wandanstrich besonders in Szene zu setzen. So habe ich mich ein wenig wie im Kölner Dom gefühlt, als wir aus einem engen dunklen Raum heraus Thomas Struths Aufnahme des Richter-Fensters betrachteten.

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Fasziniert hat mich besonders das Werk „a.s.b. 01“ von Thomas Ruff, dass Arthur de Ganay zum Schluss präsentierte. Es zeigt die Afrikanische Straße im Berliner Wedding, über die Kriegsflugzeuge hinwegziehen. Eingerahmt zwischen zwei Aufnahmen von historischen Postkarten von Elger Esser, könnte es selbst eine Postkarte sein. Ich hätte die abgebildete Siedlung nicht unbedingt in Berlin verortet, würde dies der große Schriftzug nicht verraten.
Ihren gelungenen Abschluss fand die Führung beim gemütlichen Ausklang in einem Café und sorgte dort für reichlich Gesprächsstoff.

Lina Schmitz-Buhl
Studentenforum im Tönissteiner Kreis - Regionalgruppe Ost/ Berlin